Ausstellungstitel: Achtunddreissig Dinge

Nr. 17/38

Schnitzwerk der Maoris von Neuseeland; einheimische Bezeichnung: Poupou

Schnitzwerk der Maoris von Neuseeland

Unbekannter Maori-Künstler; entstanden in den Jahren vor 1770;
Totara-Nadelholz aus Neuseeland, Podocarpus totara G. Benn ex D. Don; 98 x 33,5 x 3 cm;
gesammelt bei der 1. Südsee- Expedition von James Cook (1768-1771)
Das Schnitzwerk nach seiner endgültigen Restaurierung im Jahre 2002. ;
Ethnographische Sammlung des Instituts für Ethnologie, Universität Tübingen (Foto: Hilde Jensen)

 

Das Schnitzwerk vor seiner Restaurierung

Das Schnitzwerk vor seiner Identifikation als von James Cooks 1. Südsee-Reise stammend und vor seiner endgültigen Restaurierung.
(Foto: Evelyn Gärtner)

Das Schnitzwerk vor seiner Restaurierung

Die Abzeichnung des Schnitzwerks von John Frederick Miller aus dem Jahre 1771.
(Add. Ms. 23,920.75; mit freundlicher Genehmigung der British Library)

Captain Cook und Tübingen

Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts gab es eine außerordentliche Intensivierung von Erkundungsreisen in den Pazifik. In besonders grundlegender Weise veränderten und präzisierten die drei Reisen von James Cook (1728-1779) zwischen den Jahren 1768 und 1780 das Bild, das sich die Europäer von der Geographie des Pazifiks gemacht hatten.
Zusätzlich gewann die Person Cooks u. a. durch den dramatischen Tod, den er im Jahre 1779 auf den Hawaii-Inseln fand, nicht nur in England, sondern in ganz Europa eine besondere Bedeutung. Diese Bedeutung strahlte auf alles aus, was mit seinen Reisen zusammenhing. Das gilt auch und gerade für die völkerkundlich interessanten Objekte, die bei jenen Reisen gesammelt wurden. Es macht noch heute ein völkerkundliches Museum zu einer Besonderheit, wenn es in den Beständen ein Objekt aufweist, das nachweislich einer der Reisen von James Cook zuzurechnen ist. Die Bekanntgabe, dass ein seit dem Jahre 1771 als verschollen geltendes Schnitzwerk der Maoris von Neuseeland in der Ethnographischen Sammlung der Universität Tübingen aufgefunden worden sei, fand daher im Sommer des Jahres 1998 ein weltweites Medien- Echo insbesondere in Australien, Neuseeland und auf den Pazifik-Inseln.

Der Nachweis gelang durch einen sehr eingehenden Vergleich des Schnitzwerks, das im Jahre 1937 als Schenkung in die ethnographische Sammlung des damaligen Völkerkundlichen Instituts der Tübinger Universität gelangt war, mit einer Zeichnung des Künstlers John Frederick Miller aus dem Jahre 1771. Diese zeigte, dass es sich bei dem Schnitzwerk um die Verkleidung eines Stützpfostens in der Seitenwand eines Maori-Versammlungshauses handelte, auf der eine Ahnenfigur abgebildet war. Die Zeichnung wird im Manuscript Department der British Library in London verwahrt. Die Recherche, für die vor allem bildliche und schriftliche Quellen aus dem 18. Jahrhundert heranzuziehen waren (u. a. Banks 1962), ist in ausführlicher Form an anderer Stelle publiziert worden (Harms 1998). An dieser Stelle muss der Verweis auf die drei Abbildungen genügen, deren Bildunterschriften den Zusammenhang erklären.

Das Objekt muss bereits bei der Schenkung in beschädigter und teilrestaurierter Form in die Tübinger Ethnographische Sammlung gelangt sein. Vierzig Jahre nach diesem Ereignis wurde es zusätzlich in eher dilettantischer Form einer zweiten Restaurierung unterzogen, ohne dass dabei seine ursprüngliche Gestalt Beachtung fand. Dies geschah erst bei der dritten Restaurierung, für die die Zeichnung von John Frederick Miller als Rekonstruktionshilfe herangezogen werden konnte (Scharrahs 2002). Das Schnitzwerk wird daher nun in der Form ausgestellt, die dieser Rekonstruktion entspricht.

Volker Harms

- Banks, J. (1962): The Endeavour Journal of Joseph Banks 1768- 1771. Ed. by J. C. Beaglehole. Sydney.
- Harms, V. (1998): Ein “Ancestor Panel” der Maoris von der ersten Südsee-Reise (1768-1771) James Cooks in der Ethnographischen Sammlung der Universität Tübingen entdeckt. Baessler-Archiv Neue Folge XLVI : 429-41.
- Scharrahs, A. (2002): Poupou is alive again – Die Re-Restaurierung eines „Ancestor Panels“ der Maoris aus der Ethnographischen Sammlung der Universität Tübingen. Beiträge zur Erhaltung von Kunstwerken (Hrsg. Verband der Restauratoren e.V.) 10 : 194-200.

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