Beim Schatz des Monats März 2024 handelt es sich um Goldapplikationen in Form von Köpfchen des ägyptischen Gottes Bes.
Unter den Schmuckstücken der ägyptischen Sammlung ragt ein Satz mit Goldapplikationen aus frühptolemäischer Zeit (Ende 4., Anfang 3. Jh. v. Chr.) besonders heraus. Er besteht aus 72 Köpfchen, 12 sechsblättrigen Rosetten (Ø 16 mm), 9 runden Scheibchen (Ø 6 mm) und 63 halbkugeligen Ornamenten (Ø 3 mm). Über den Fundkontext wissen wir nichts.
Die Köpfchen sind wie eine Maske gearbeitet, sie zeigen ein volles Gesicht mit Stirnfurche, breiter Nase, Bart und Krone und stellen den ägyptischen Gott Bes dar. Dieser Bes war ein Schutzgott, vor allem von Kindern, Schwangeren und Gebärenden, der Name selbst leitet sich vermutlich von einem ägyptischen Wort für Schutz ab. Ursprünglich gab es eine Reihe dämonenartiger apotropäischer Gottheiten ähnlicher Gestalt mit unterschiedlicher Funktion, die schließlich unter der Bezeichnung Bes zu einem einzigen göttlichen Wesen zusammengefasst wurden. Darstellungen finden sich seit dem Alten Reich (ab 2700 v. Chr.) bis in die griechisch-römische Zeit. Zwar hat Bes keine eigene Kultstätte wie andere ägyptische Götter, er spielt aber in den sogenannten Mammisi oder Geburtshäusern dieser Zeit – das sind Tempel, die mit der Geburt und Erziehung der Kindgötter verknüpft sind – eine herausragende Rolle.
Seine Ikonographie ist für ägyptische Götter unüblich, denn im Gegensatz zu diesen ist er frontal dargestellt. Der Gott hat die Statur eines Kleinwüchsigen mit maskenartigen Gesichtszügen und mit Bart, großen starrenden Augen, einer heraushängenden Zunge, Tierohren sowie Löwenmähne und –schwanz.Vermutet wird daher, dass die Ikonographie auf das Bild eines männlichen Löwen zurückgeht, der auf den Hinterpranken aufgerichtet steht. Oft hält Bes Messer in den Händen, aber auch Musikinstrumente. Außerhalb des Geburtskontextes gilt Bes vor allem auch als Schützer vor Schlangen, er ist daher gelegentlich dargestellt, wie er Schlangen mit den Händen gepackt hält.
Schmuckstücke wie die aus der Tübinger Sammlung, die lediglich den Kopf in Form einer Maske zeigen, kommen ab der sogenannten Dritten Zwischenzeit (ab 1070 v. Chr.) auf. Die vorliegende Anordnung ist modern. Der Schmuck war ursprünglich auf Stoff aufgenäht, vielleicht auf ein Gewand, einen Halskragen oder einen Haarschleier. Jedes Einzelstück hat entsprechende Löcher zum Aufnähen. Das ganze diente der Funktion des Gottes entsprechend zu Schutzzwecken. Es handelt sich bei den Schmuckstücken um Zeugen der persönlichen Frömmigkeit. Aufgrund seiner schützenden Funktion war Bes nämlich auch als Hausgott überaus populär. Man findet Darstellungen des Gottes nicht nur in Form solcher Applikationen, sondern auch als Amulette, auf Kopfstützen und Betten oder als Gesichtsmasken, die bei apotropäischen Ritualen getragen werden konnten.
Jan Tattko